Interactive Story Telling

„Rollenspiel. Stellen sie sich vor, sie wären ein Ritter in einer mittelalterlichen Welt. Es ist Nacht, sie müssen in eine heruntergekommene Spelunke voller betrunkener Söldner um die Prinzessin zu retten. Was tun sie? Einige würden von hinten herein schleichen, andere würden sich verkleiden um unentdeckt hinein zu gehen, wiederum andere würden die Spelunke stürmen. Wenn wir jetzt über die verschiedenen Möglichkeiten reden, erzählen wir eine Geschichte im Dialog.“

Prof. Dr. Michael Bhatty war dem MiniPosium ‚Digital Spaces’ in Hamburg per Videochat aus München zugeschaltet. In seinem 30-minütigen Vortrag ‚Inside Interactive Story Telling’ führte uns der an der MHMK in München Lehrende in die Welt des Games, speziell im Bezug zur Geschichtenerzählung, ein.

MHMJ München

Warum erzählen wir eigentlich Geschichten?

Wir erzählen Geschichten, seitdem wir kommunizieren und sie festhalten können. Wir erzählen Geschichten, um Konzepte zu vermitteln, ethische und moralische. Egal ob bei Rotkäppchen, Kill Bill oder Herr der Ringe, jede Geschichte vermittelt eine Moral oder ein Konzept. Doch wie erschaffen wir eine glaubbare Welt?

„Two dogs, one bone!“

Aristoteles sagte einst „Die Tragödie ist nicht Nachahmung von Menschen, sondern von Handlung und Lebenswirklichkeit“. Der Konflikt ist also die Grundlage von Geschichten. Dabei kann der Knochen alles Mögliche sein. Eine Frau zwischen zwei Männern, Geheimpläne, oder sogar die Freiheit …

Nur ein Spiel?

Viele Entwickler behaupten, „es ist doch nur ein Spiel“. Doch zu jedem Spiel gehört auch eine künstlerische Komposition, zu der neben 3D-Art, Musik und Sound auch die Geschichte gehört. „Würden sie ein Spiel spielen wollen, bei dem sie eine andere Gruppe auslöschen sollen? Bei der sie z.B. Kinder und Alte, Männer und Frauen in einer Grube vergasen und verhindern müssen, dass diese Menschen entkommen? „Genau das wurde aus Tetris gemacht, wo möglichst viele Menschen in die „Grube“ passen mussten. Schon allein dieses moralisch-fragwürdige Konzept verdeutlicht: Die Story ist wichtig! Und das Setting ist wesentlicher Bestandteil der Story. Was sind jedoch interaktive Geschichten?

Interaktivität: α-Handlung

Herrscht jetzt eine Konfliktsituation, liegt es nahe, dass diese durch Handlungen gelöst werden soll. Gameproducer stehen nun vor der Anforderung, Geschichten möglichst interaktiv zu “erzählen”. Interaktiver wird es, je freier der Gamer in seiner Handlung ist. Je mehr Möglichkeiten ein Spieler hat zu interagieren bzw. die Geschichte durch seine Handlung zu beeinflussen, desto interaktiver ist also das Spiel. Diesen “Entscheidungsfreiraum im Spiel“ bezeichnet der Professor als alpha-handlung. Je höher der Grad der Interaktivität, desto Zeit- und kostenintensiver ist jedoch auch meistens ein spiel.

Geschichte mit Optionen

Gameproducer bieten eine Geschichte mit Optionen an, im Gegensatz zum Film, wo eine Geschichte vorgegeben wird. Als Gamer hat man dadurch echte Wahlmöglichkeiten, auf welche die Geschichte reagiert bzw. wodurch die Gamer Einfluss auf die Geschichte nehmen können. Diese Option ist heutzutage noch etwas eingeschränkt, aber auf jeden Fall freier als früher.

„Als Game-Designer müssen wir nur die Konflikte vorgeben, der Gamer schreibt die Geschichte …“

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=zPxlRKyXL8M&version=3&hl=de_DE]

(Den Vortrag finden sie ab 00:36:40)

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